Innovation Leadership: Richtige Entscheidungen treffen



Hemma Bieser ist eine der führenden ExpertInnen für Business Model Innovation und weiß, wie EntscheidungsträgerInnen den Überblick über die Vielzahl an Managementmethoden behalten.



Hemma Bieser begleitet seit 2011 Unternehmen dabei, neue Geschäftsideen zu entwickeln, zu testen und sie erfolgreich in den Markt zu bringen. Mit ihrem Team erarbeitet die Gründerin und Geschäftsführerin von avantsmart e.U. beispielsweise neue Geschäftsmodelle für den Energiemarkt der Zukunft und berät Unternehmen in Digitalisierungsprozessen.


Gemeinsam mit Frank Bieser bietet sie unter der Marke Innovation meets Agility Workshops, Coaching und Keynotes rund um die Themen Innovation Leadership und Business Agility an und verbindet dabei das Beste aus der IT- und der Start-up-Welt. Sie ist Mitinitiatorin des Agile Circle, einer neuen Konferenzreihe, die heuer erstmals auch online stattfand und ist dort auch als Vortragende aktiv.


Innovation Leadership und Business Model Innovation sind für Hemma Bieser nicht einfach weitere Mehoden, sondern Ansätze und Modelle, die den geänderten Anforderungen Rechnung tragen, nach denen Innovation heute passiert. Denn Innovation, der Weg von der ersten Idee bis zum Erfolg am Markt, ist nach wie vor – bei aller Agilität und digitaler Geschwindigkeit – vor allem ein langer Prozess und harte Arbeit.


Frau Bieser, gerade rund um IT, Technologie und Digitalisierung poppen stets besonders viele neuen Begriffe auf. Was kann man sich unter Innovation Leadership konkret vorstellen?

Wir sehen heute, dass die Lebenszyklen von Produkten und Geschäftsmodellen immer kürzer werden. Die Digitalisierung beschleunigt diesen Prozess auch noch. Für Unternehmen bedeutet diese Entwicklung, dass die Cash Cows von heute morgen schon nicht mehr rentabel sind. Doch was passiert dann? Hat das Unternehmen rechtzeitig vorgesorgt? Hat es bereits neue Geschäftsmodelle entwickelt, die nun in den Startlöchern stehen und bereit sind, einen entscheidenden Beitrag zum Umsatz zu leisten? Innovation passiert nicht einfach. Es ist ein langer Prozess von der ersten Idee bis zum Erfolg am Markt. Innovation Leadership bedeutet, dass die EntscheidungsträgerInnen in ihren Unternehmen die Rahmenbedingungen für Innovation schaffen und die erforderlichen Budgets und Ressourcen bereitstellen.

Was bedeutet das weitergedacht für das Thema Business Model Innovation, ein Thema, für das Sie eine der führenden heimischen ExpertInnen sind?

Wir sprechen heute tatsächlich oft von neuen Geschäftsmodellen und disruptiven Innovationen. Die Bilder in unseren Köpfen dazu sind sehr verschieden, immer abhängig vom jeweiligen Background. Finanzexperten und Controller denken gleich an die Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Produktentwickler und Marketer haben ihre Produktpalette vor Augen.

Start-up-GründerInnen und InnovationsmanagerInnen wiederum verstehen unter Business Model einen ganzheitlichen Ansatz, um die Innovation zu beschreiben, mit der sie einen neuen Markt erobern werden.

Studien aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass wirkliche branchenverändernde Innovationen mit neuen Geschäftsmodellen Hand in Hand gingen, wie zum Beispiel Spotify in der Musikbranche. Das geht weit über die Produkt- oder Prozessinnovation hinaus.

Was macht Business Model Innovation besonders und gibt es dafür spezielle Methoden und Tools, die Sie empfehlen?

Es ist bereits 10 Jahre her, dass Alexander Osterwalder in seinem Management-Bestseller Business Model Generation die Methode der Business Model Canvas vorgestellt hat. Diese Canvas besteht aus neun Bausteinen, mit denen sie im Prinzip die Mechanismen jedes Geschäftsmodells beschreiben können. Diese Methode hat alles verändert, vor allem in der Start-up- Szene, aber auch bei den großen Unternehmen. Es gibt kaum mehr einen Innovationsmanager, der diese Methode nicht im Einsatz hat. Für mich ist es jedoch erstaunlich, wie wenig bekannt die Business Model Canvas und andere Innovationsmethoden in der Agile- und IT-Community sind.

Die IT-Community kann ja auch aus einem großen Spektrum an Managementmethoden schöpfen. Scrum, Kanban, SAFe sind nur einige davon. Gibt es mittlerweile nicht schon zu viele Methoden?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es große Unterschiede zwischen der Innovations-Community und der IT-Community gibt. Das fängt schon bei der Sprache an. Bei den Start-ups sprechen wir von MVP, Pitch und Pivot, während diese Begrifflichkeiten in der Softwareentwicklung nicht zum Standardvokabular gehören. Hingegen sind typische Agile Methoden, Scrum-Teams und Product Owner in der Start-up Welt wenig bekannt.

Ich finde die Entwicklung von neuen Managementmethoden im Innovationsbereich sehr spannend, weil sie in einer vernetzten, globalen Community passiert.

Da gibt es Teams in Europa, in den USA oder in Australien, die neue Werkzeuge entwickeln, ausprobieren und mit Gleichgesinnten ständig verbessern. #Shiftup ist so eine neue weltweite Initiative. Sie wurde von Management-Vordenker Jürgen Appelo ins Leben gerufen. Viele kennen Jurgen von seinen Konzepten zu Management3.0 und Managing for Happiness. Das Ziel von #Shiftup ist es, die Weiterentwicklung von Organisationen und Unternehmen mit modernen, richtungsweisenden Methoden zu fördern. Da gehört es auch dazu, die Verbindung zwischen der Innovations- und IT-Welt herzustellen.


Wie kann es EntscheidungsträgerInnen bei dieser Vielfalt gelingen, noch den Überblick zu behalten?

Ich arbeite nun schon seit bald 10 Jahren im Innovationsbereich und kenne eine Vielzahl an Methoden und Tools. In den letzten Jahren war ich selber auf der Suche nach etwas Neuem. Mich hat das Konzept des Business Lifecycle überzeugt. Es ist ein Gedankenmodell, bei dem der Lebenszyklus eine Geschäftsmodells in 10 Phasen eingeteilt wird. Ähnlich wie beim menschlichen Lebenszyklus beginnt es mit der Geburt einer Geschäftsidee. Die entwickelt sich und wächst, aber zu einem gewissen Zeitpunkt ist sie einfach zu Ende. Die ersten fünf Phasen sind geprägt vom Aufbau, das sind die Phasen, in der auch die Regeln der Start-up Welt gelten, die Exploration. Die zweiten fünf Phasen sind geprägt von starkem Wachstum, Organisationsaufbau und hoher Wertschöpfung, die Exploitation. In jeder Phase des Lebenszyklus gelten anderen Spielregeln. Führungskräften hilft dieses Gedankenmodell dabei, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und kritische Entscheidungen zu treffen.

Können Sie uns ein Beispiel dafür geben, was in den verschiedenen Phasen anders ist?

Innovation bedeutet ja ganz viel lernen und experimentieren. Dazu gehört natürlich auch, dass Experimente nicht das gewünschte Ergebnis liefern. Wir nennen diesen Prozess Validated Learning. Im Innovationsprozess ist es ganz wichtig schon früh zu verstehen, ob eine Geschäftsidee Potenzial hat, erfolgreich zu sein, oder ob es dafür keinen Markt gibt. In den ersten Phasen des Lebenszyklus brauchen die Teams also ein gewisses Budget, über das sie frei ohne lange Entscheidungswege verfügen können, um ihre Experimente zu machen. In den späteren Phasen werden die Experimente größer und auch die Budgets. Wenn das Geschäftsmodell einmal validiert ist, dann ist der Zeitpunkt gekommen, um ins Marketing zu investieren. Oft kommt es jedoch vor, dass schon zu früh viel Geld für Marketing und Vertrieb in die Hand genommen wird, noch bevor es ein tragfähiges Geschäftsmodell gibt.

Was empfehlen Sie Unternehmen, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein?

Es hat sich in den letzten Wochen gezeigt, dass jene Unternehmen gut durch die Krise gekommen sind, die auf mehreren Beinen unterwegs sind. Damit meine ich solche Unternehmen, die mehrere Geschäftsmodelle haben. Wenn eines davon wegbricht, gibt es noch immer Unternehmensbereiche, mit denen eine Wertschöpfung erzielt wird.

Wir empfehlen unseren KundInnen, ein Portfolio an Geschäftsmodellen aufzubauen, das im Prinzip aus beiden Kategorien Explore und Exploit besteht. Aus der Wertschöpfung der bestehenden Geschäftsmodelle finanzieren Sie viele neuen Ideen. Aus einigen davon werden die Umsatzbringer der Zukunft.

Mit Ihrem Mann Frank haben Sie vor kurzem die Marke Innovation meets Agility gelauncht – was ist hier der Fokus?

Mein beruflicher Background liegt in der Innovation-Community, der von Frank in der IT-Branche. Beruflich haben wir festgestellt, dass wir vieles gemeinsam haben, unter anderem das agile Mindset. Trotzdem sprechen wir oft nicht die gleiche Sprache, denn IT ist nicht gleich Start-up. Ich selbst habe meinen Schwerpunkt in der frühen Phase der Innovation, wenn es darum geht, neue Ideen zu entwickeln und zu validieren. Frank hat jahrelange Erfahrung als Führungskraft in Konzernen. Er weiß, wie man agile Organisationen aufbaut, führt, und wie man Ideen in die Tat umsetzt. Gemeinsam bieten wir Workshops, Coachings und Keynotes rund um die Themen Innovation Leadership und Business Agility an. Wir unterstützen unsere KundInnen dabei, in jeder Phase des Business Lifecycle die richtigen Entscheidungen zu treffen und aus ersten Ideen erfolgreiche Innovationen zu machen.

Von Marion Degener; Fotos: Lisa Resatz

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