Intelligente Basis für richtige Entscheidungen


IoT oder KI machen noch kein „Intelligent Enterprise“ aus. Ihre Integration bringt den Nutzen. Das zeigen Hartmut Thomsen, President MEE, und Österreich-Chef Christoph Kränkl von SAP.



IoT, KI, Blockchain, Digital Twins – die Unternehmen werden mit den neuen Technologien geradezu bombardiert. Oft sind es jedoch nur Begriffe, die auf sie einprasseln und die Botschaft: „Das brauchst du unbedingt und zwar schleunigst, wenn du nicht abgehängt werden willst“. Antworten auf das „Wozu?“, das „Wo?“ und das „Wie?“ gehen im Begriffshagel meist unter. Die Use Cases bleiben allzu oft unkonkret, der Nutzen für die eigene Praxis bleibt schwammig. Das beobachtet auch Hartmut Thomsen. Genau diesen Nutzen wollen der SAP-President für Mittel- und Osteuropa und sein Unternehmen für die Kunden nun noch im wahrsten Sinn des Wortes greifbar machen. Mit auf sie zugeschnittenen Use Cases, die sie in Virtual Reality hautnah miterleben. So wie im SAP Intelligent Enterprise Truck, der regelmäßig durch halb Europa tourt, oder wie im Customer Experience Room in der Walldorfer Zentrale, in dem sich interessierte Kunden aus aller Welt die virtuelle Klinke in die Hand geben um in ihre eigenen realen Szenarien „einzutauchen“. Und mit Prototypen, mit denen man zeigt, wie KI, IoT oder Predictive Analytics bestimmte Abläufe im eigenen Unternehmen ganz konkret verbessern könnten. Ziel ist das „Intelligent Enterprise“. Und um das zu erreichen, ist nicht nur neue Technologie gefragt, sondern vor allem ihre Integration in die Geschäftsprozesse. SAP-Österreich-Chef Christoph Kränkl sieht hier gerade für heimische Kunden große Chancen und Benefits.


Die Unternehmen werden gerade mit neuen Technologien bombardiert. Was hebt SAP und die Unterstützung, die Sie mit Ihren Lösungen und Anwendungen den Kunden bieten, hier von dem üblichen Bombardement ab?


Thomsen: Der Fokus der SAP liegt seit Gründung vor 46 Jahren auf Process Excellence. Wir bieten heute Applikationslösungen für 25 Industrien, in denen wir Geschäftsprozesse von Anfang bis Ende abbilden. Wir verbinden das Wissen über Geschäftsprozesse in 25 Branchen mit intelligenten Technologien.

Wir verkaufen keine Technologie um ihrer selbst willen – ein „Bauteil Blockchain“ liefert keinen Mehrwert. Unsere Kunden erwarten sich von uns mehr, nämlich eine Lösung für Ihre alltäglichen geschäftlichen Herausforderungen.


Die Kernfrage lautet für Kunden nicht: Kann ich irgendwo KI einbauen? Sondern: Wie kann intelligente Technologie mein Kerngeschäft schneller, intelligenter und einfacher machen?

Auf diese Fragen liefern wir die Antwort, indem wir diese neuen Technologien mit unserer Software verknüpfen.


Kränkl: Die Stärke unserer Kunden ist ja vor allem ihr Prozesswissen in ihrem Kerngeschäft. Deshalb ist es wichtig, dass sie sich darauf fokussieren und ihre Geschäftsprozesse optimieren können. Heute hat kaum ein Unternehmen die Ressourcen, massiv eigene Kompetenzen zu neuen Technologien aufzubauen – wie gesagt, das ist auch nicht ihr Kerngeschäft. Das gilt besonders für viele heimische Unternehmen, die zumeist dem Mittelstand angehören.


Gerade für mittelständische Kunden werden neue Technologien in Standardlösungen tatsächlich nutzbar. Und ebenso internationales Know-how.

Sie haben das „Intelligent Enterprise“ zum Ziel deklariert. Definiert sich das durch Technologien?


Thomsen: Intelligente Technologien sind nur ein Baustein. Erst durch ihre Integration mit den Geschäftsprozessen, mit der Applikationsebene und mit dem User Interface kann letztlich neuer Mehrwert entstehen. Durch die Einbindung neuer Technologien kann ich Prozesse intelligenter gestalten, indem ich sie vor allem bei Routineaufgaben hochgradig digitalisiere und automatisiere und so Medienbrüche in der Prozesskette vermeide. Und ich kann durch Technologien wie Deep Learning oder Predictive Analytics das Unternehmen insgesamt intelligenter machen: Indem ich den Verantwortlichen wertvolle Daten liefere, um ein Problem genauer beurteilen zu können und die richtigen Entscheidungen zu treffen.


Kränkl: Ein anschauliches Beispiel dafür ist unsere Digital Boardroom-Lösung: Der Kunde erhält auf den ersten Blick alle Unternehmensdaten, die für ihn interessant sind. Das ist nicht nur für den Vorstand wertvoll, sondern zum Beispiel auch für die erste Management-Ebene, um in Echtzeit auf alle aktuellen Daten, die für den jeweiligen Bereich relevant sind, zuzugreifen und damit beispielsweise mit Hilfe von KI auch Simulationen anzustellen, welche Auswirkungen eine Entscheidung bewirken würde. Die Bandbreite an Möglichkeiten und Ebenen, die sich hier bieten, reicht von der Umsatzentwicklung auf aggregierter Ebene bis zum feingranularen Level, auf dem etwa die Betriebsdaten einer Produktionsmaschine angezeigt werden, die irgendwo in der Welt steht.



Das klingt in der Theorie recht einfach. Was ist dabei die größte Herausforderung für ein Unternehmen? Was sind die entscheidenden Problemstellungen?


Thomsen: Zum Beispiel: Wie kann ich meine Kunden mit maßgeschneiderten Angeboten erreichen? Wie kann ich etwa als Handels-Unternehmen den Kunden in meinem Ladengeschäft die Information liefern, ob ein Produkt jetzt und hier verfügbar ist, und wenn nicht, ob in einer andere Filiale oder im Lager?


Ich kann ein Unternehmen auch durch Digitalisierung nicht intelligenter machen kann, wenn es keine durchgängige Customer Experience gibt. Das kann nur durch das Zusammenspiel zwischen Front- und Backend funktionieren.

Und durch End2End-Prozesse, die vom ersten Berührungspunkt des Kunden bis zur Zahlung und Lieferung oder bis zum nachgelagerten Wartungsgeschäft durchgängig sind.


Wie unterstützen Sie Kunden dabei, den Weg zum intelligenten Enterprise zu schaffen?


Thomsen: Aus unserer Sicht gibt es dafür drei große Bausteine: Der erste ist das Fundament, ERP und der Digital Core, was heute durch die Verknüpfung mit Customer Experience weit über klassische ERP-Prozesse hinausgeht – SAP liefert dieses Fundament mit der Intelligent Suite. Der zweite Baustein sind die intelligenten Technologien und ihre Integration in die Geschäftsprozesse. Und der dritte Baustein sind die Digitale Plattform und das Data Management, wie das SAP mit S/4HANA und der Cloud Platform ermöglicht. Diese drei Bausteine müssen ineinander greifen. Wenn ich KI einbaue, um bessere Entscheidungshilfen zu liefern, dann muss ich die Algorithmen permanent trainieren und optimieren. Dazu brauche ich große Datenmengen – die ich mit HANA verarbeiten kann. Ich muss Analytics direkt auf das ERP aufsetzen, und ich muss alle möglichen Datenquellen, strukturiert oder unstrukturiert, anzapfen, ohne die Daten zu duplizieren – so wie wir das mit unserer Lösung Data Hub tun.


Akzeptieren die Kunden die Cloud schon als Baustein um ihr Kerngeschäft intelligenter zu machen und nicht nur um Randthemen auszulagern?


Thomsen: Die Cloud Platform ist das universellste SAP-Produkt. Sie ist zum einen die technologische Basis um an innovative Technologien zu partizipieren und um sie einzusetzen, zum anderen kann ich sie nutzen, um Cloud-Lösungen miteinander genauso wie mit On-Premise-Lösungen zu integrieren und um flexibel Erweiterungen zu machen. Und natürlich ist sie auch die Innovationsplattform, um neue eigene Lösungen zu entwickeln. So groß der Mehrwert auch ist, wenn neue Technologien in Standards integriert sind, so möchten manche Kunden ein bestimmtes Prozessstück individuell gestalten um sich vom Markt zu differenzieren. Auf der Cloud Platform muss ich dazu eine Standardapplikation nicht hochgradig anpassen, sondern kann Teile flexibel entkoppeln.


Kränkl: Was SAP betrifft, haben Kunden kaum mehr Berührungsängste mit Cloud-Lösungen. Im Gegenteil: Gerade in Österreich verschiebt sich der Zugang gerade massiv, vor allem wenn man in Richtung S/4 gehen möchte.


Immer mehr Kunden kommen mit eigenen Use Cases außerhalb der klassischen SAP-Applikationen auf uns zu.

Der Trend geht hier klar zu Hybrid-Szenarien, in denen kleine Lösungen neben das digitale Herzstück, das ERP, gestellt werden, um es nicht zu überfrachten. Und noch ein Benefit zeigt sich deutlich: Ich kann zum Beispiel eine Lösung für die Rechnungserkennung, in die KI integriert ist, einfach aus dem App Store beziehen. Die Cloud Platform ist also der beste Hebel um neue Technologien nicht nur nutzbar, sondern auch leistbar zu machen.



Von Michael Dvorak; Fotos: Lisa Resatz

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