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Data Unleashed: Sehr schnell zum großen Ganzen



Schlanke Projekte rasch mit dem Gesamtbild zu verknüpfen, ist für Salesforce-Country-Manager Steffen Lange die digitale Erfolgsformel. Indem man Daten und vorhandenes Wissen nutzt.



Bei Salesforce denken hierzulande die meisten wohl zuallererst an die Leader-Rolle in Sachen CRM. In den USA, in UK oder Asien ist das anders. Dort hat sich der US-amerikanische Anbieter von Cloud Business Solutions längst als führender Platform Player etabliert. Das Ziel, das darüber steht: Kunden unterschiedlichster Größen und Industrien als „Trusted Digital Advisor“ mit agilen technologischen Lösungen und mit massivem Best-Practices-Transfer bei ihrer Digitalization zu unterstützen. So wie man das auch schon bei einer Reihe heimischer Trailblazer wie BIPA, Hartlauer, Kapsch TrafficCom und Zumtobel erfolgreich tut. Jetzt will man mit einem eigenen Standort in Wien weltweit mehr als 150.000 Kundenerfahrungen noch stärker für Österreichs Unternehmen nutzbar machen. Steffen Lange, Country Leader Austria bei Salesforce, ist vom Konzept dahinter fest überzeugt: „Es dauert viel zu lange, wenn man in jedem Land das Rad neu erfindet. Dafür ist bei digitalen Projekten einfach nicht genug Zeit. Deshalb macht es überall Sinn, übergreifend auf die Erfahrungen anderer aufzubauen.“


Auf Erfahrungen aufzubauen, heißt für Lange, zugleich vor allem auf Daten aufzubauen. Das macht auch der Titel seiner Keynote bei der Summer Edition des CIO Inside Summit 2022 von ÜBERALL scene development deutlich: „Unleash the Power of your Data“. Ein perfekter Aufhänger, um sich mit ihm, am Rande dieses IT Community Events der ganz besonderen Art vor der traumhaften Kulisse im Park des Schlosses Laxenburg, tiefer in das Thema hinein zu begeben.


Worin liegt die Power of Data, die es zu entfesseln und zu nutzen gilt?


Wir alle stehen am Beginn eines massiven Wandels mit einer Vielfalt unterschiedlichster Einflussfaktoren und mit großen Herausforderungen – die Gesellschaft insgesamt genauso wie jeder Einzelne von uns und wie jedes Unternehmen. Und in den Daten liegt eine große Chance, diese Herausforderungen zu bewältigen und sich zukunftssicher aufzustellen. Wir erleben dieses Potenzial von Daten tagtäglich in der Praxis unseres eigenen Unternehmens, das extrem data-driven aufgestellt ist, bei all unseren Prozessen und Entscheidungen. Wir sehen allerdings auch: Um dieses Potenzial zu nutzen, braucht es Digital Skills. Deshalb sehen wir unsere Rolle auch vorrangig als Digital Advisor. Und deshalb ist es uns zugleich auch wichtig, hier eigene Initiativen zu verfolgen wie beispielsweise mit Trailhead, einer kostenlosen Weiterbildungsplattform für digitale Fertigkeiten. Und ebenso auch lokale Aktionen zu unterstützen wie etwa MTOP – MORE THAN ONE PERSPECTIVE, die Flüchtlinge in den österreichischen Arbeitsmarkt integriert und dabei auch digital befähigt.


In welchen Bereichen zeigt sich dieses Potenzial von Daten schon besonders deutlich und konkret?


Besonders präsente Herausforderungen sind die Lieferketten-Problematik oder der Personal- und Fachkräftemangel. Hier werden verfügbare Daten schon massiv genutzt und auch mit KI-Unterstützung zu automatisierten Prozessen verarbeitet –

etwa, indem KI die Daten analysiert und daraus schon konkrete Vorschläge für Aktionen ableitet. Die Menschen, die früher hier viele Arbeitsstunden hineingesteckt haben, können heute in anderen Tätigkeitsbereichen viel effektiver und produktiver agieren. Wir selbst haben mit Salesforce Einstein eine Analytics-Komponente in unserer Software integriert, die genau auf diese KI-Fertigkeiten abzielt, und dazu bereits etliche Kundenprojekte umgesetzt … auch schon einige sehr spannende in Österreich.


Das Ziel, Daten in neuen Value zu verwandeln, wird schon lange postuliert. Wie weit konnte dieses Ziel in den letzten Jahren tatsächlich schon umgesetzt werden?


Das Zielbild hat sich in den letzten Jahren nicht substanziell verändert. Es steckt nach wie vor sehr viel Potenzial in den Daten, das es noch zu erschließen, eben zu entfesseln, gilt. Zum Teil liegt das auch daran, dass manche Unternehmen am Anfang vielleicht zu groß angesetzt haben und das mit nicht ausreichend flexiblen technologischen Lösungen. Zu groß anzusetzen und Dinge sehr lange zu analysieren, bevor man startet, ist eine Tendenz, die hierzulande per se sicher stärker ausgeprägt ist als in anderen Regionen. Dort ist man eher bereit, Dinge einfach mal auszuprobieren, und gerade das ist in der aktuellen Phase wichtig.


Das digitale Erfolgsrezept lautet also auch beim Entfesseln der Daten „klein und schnell“? Gibt es generelle Themen, die für Quick Wins prädestiniert sind?

Spannendes Potenzial, um Daten zu nutzen, gibt es in fast allen Unternehmensbereichen und bei vielen Themen. Dafür, WO man beginnt, gibt es also kein generelles Erfolgpatent. Dafür, WIE man beginnt, hingegen schon: Schnelligkeit und Agilität sind dabei sicher zentrale Erfolgsfaktoren. Heute geht es darum, für das Management KPIs aus Echtzeitdaten für rasche Entscheidungen zu gewinnen und zu visualisieren. Denn Ziele können sich durch unterschiedlichste äußere Einflussfaktoren binnen kürzester Zeit ändern und daran muss man sich auch genauso schnell anpassen können. Dazu braucht es allerdings auch die entsprechend flexible technologische Basis – bewegliche Tools und Layer, die es erlauben, Dinge iterativ, stufenweise auszuprobieren und nach kurzer Zeit schon einen Mehrwert zu evaluieren. Genau das schafft die nötige Planungssicherheit … trotz aller möglicher Einflussfaktoren. Um mit einem Pilot- oder Teilprojekt tatsächlich schnelle Erfolge erzielen zu können, muss man jedoch von Beginn an auch immer das Gesamtbild im Auge haben und analysieren: Wie sieht die Gesamtgemengelage aus und welche Notwendigkeiten werden sich künftig wo ergeben?

Landet man dann zwangsläufig doch wieder dabei, das Thema Daten groß aufsetzen zu müssen?


Eher ganzheitlich als groß. Und ganzheitlich muss und darf nicht zwangsläufig auch langsam heißen.

Man muss auch für ein Gesamtbild die Dinge sehr rasch analysieren und Aktionen setzen, wenn man mit einem digitalen Projekt Erfolg haben will. Und das ist möglich, wenn man auf bereits zur Verfügung stehende Daten und auf bereits vorhandenes Wissen aufbaut.

In unseren vertikalen Cloud-Lösungen, der Manufacturing Cloud, der Consumer Goods Cloud oder der Financial Services Cloud, ist extrem viel industriespezifisches Know-how aus Erfahrungen mit weit über 150.000 Kunden eingeflossen. Erfahrungen, die wir in übergreifenden End2End-Prozessen abgebildet haben, beispielsweise in kompletten Lieferketten, die man in einem reinen Vertriebs- oder Produktionsprozess üblicherweise nicht so auf dem Radar hat. Dadurch lassen sich kleine, bewegliche Initiativen rasch mit dem großen Ganzen zusammenführen und in wenigen Wochen in End2End-Prozesse integrieren und in einem aussagekräftigen PoC darstellen.


Also Platform Business als Drehscheibe für Wissen und Data Value?


Gerade, wenn man wie bei der Digitalization oft Neuland betritt und zugleich Dinge sehr rasch und agil umsetzen muss, ist es einfach notwendig, voneinander zu lernen …

und zwar übergreifend über Branchen- und Unternehmensgrößen hinweg. Wir selbst kommen ursprünglich aus dem Mittelstand und haben jetzt unterschiedlichste Kundenszenarien, vom globalen Konzern bis zum Startup. Aber um solch einen Wissenstransfer möglich zu machen, ist auch hier wieder eine hochentwickelte technologische Basis notwendig – auf der wie in unserem Fall verschiedenste bewegliche Cloud-Lösungen etabliert werden können. Und die damit den großen Vorteil bietet, dass hier – im Unterschied zu vielen anderen Plattformen – keine Integration unterschiedlicher Technologien notwendig ist. Zugleich werden auf unserer Plattform auch viele Partnerlösungen entwickelt, die native in unsere Standardsoftware integriert werden. Platform Business, wie wir es leben, ist also eine Kombination aus dem Zusammenführen von Wissen und Menschen und aus Technologie und Lösungen, die das möglich machen.


Das Zusammenführen von Menschen, Wissen, Daten und Technologie ist besonders beim Thema Customer Experience gefragt. Im B2C-Bereich ist das längst ein Thema, im B2B gab es da lange Aufholbedarf. Ist das Thema heute schon bei allen angekommen?


Natürlich ist der B2C-Bereich, insbesondere der Handel, nach wie vor ganz vorne, wenn es darum geht, Daten zu sammeln und auszuwerten, um die Consumer besser zu verstehen. Aber letztlich interagieren immer Menschen mit Menschen, auch im B2B. Und wenn wir als Privatmenschen auf benutzerfreundlichen Oberflächen online einkaufen, erwarten wir im B2B auch eine gewisse Customer Experience. Darüber hinaus sind aber die Anforderungen im B2B-Bereich in den letzten Jahren vor allem durch zwei Faktoren dramatisch gestiegen: Zum einen gibt es in allen Bereichen viel mehr, insbesondere auch internationale, Mitbewerber – das sehen wir auch deutlich bei unseren Kundenprojekten in Österreich. Und zum anderen müssen sich die B2B-Unternehmen mit einer extrem wachsenden Menge an Daten auseinandersetzen. Weil die Produktion oder Logistik immer stärker automatisiert werden, aber auch weil B2B heute quer über alle Branchen zunehmend bedeutet, Wissen über die Kunden meiner Kunden zu generieren und zu nutzen, also B2B2C.


Das Zusammenspiel zwischen Menschen und Technologie ist auch beim hybriden Neuen Arbeiten ein wesentlicher Faktor. Manchmal hat man allerdings den Eindruck, man beschäftigt sich da vorrangig mit Dingen wie Arbeitszeitmodellen. Was kann hier, auch intern, die Power of Data bewirken?


Die Tatsache, dass es immer mehr Daten gibt, bedeutet, dass man die MitarbeiterInnen auch immer stärker enablen und empowern muss, um mit ihnen produktiv arbeiten zu können …

und das geht weit über einen digitalen Arbeitsplatz hinaus. Infrastruktur und Systeme sind Werkzeuge, aber Daten sind das, woraus die MitarbeiterInnen tatsächlich Mehrwert generieren können. Deshalb geht es darum, die Silos und die Daten darin zusammenzuführen und den MitarbeiterInnen sowohl ein Gesamtbild zu liefern als auch die Möglichkeit, die Teile, die sie benötigen, rasch und agil zu nutzen. Mit Hilfe leichtgängiger Tools, automatisierter Workflows und einer KI, die Menschen bei ihrer Arbeit effektiv unterstützt. Das Empowerment der MitarbeiterInnen im Dreieck Mensch – Technologie – Daten wird ein Schlüsselfaktor für den Unternehmenserfolg.


Von Michael Dvorak; Fotos: Nicole Heidegger/CIO Inside Summit

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