Das Unterbewusstsein von Organisationen


CIO und Universitäts-Professor Werner Leodoltervereint Praxis und Wissenschaft. Das zeigt er mit seinem Buch „Digital Transformation Shaping the Subconscious Minds of Organizations“.



Seit 1990 leitet Werner Leodolter Organisationen. Zunächst als CIO in der Stahlindustrie und im Gesundheitswesen beim Krankenhausbetreiber KAGes, wo er dann auch als CEO das Unternehmen substanziell reorganisiert hat. Dort ist er heute noch immer als CIO tätig. Und seit 1997 ist Leodolter auch im universitären Bereich aktiv: als Lektor an der Technischen Universität Graz zum Einsatz von Informations- und Kommunikations-Technologie in der Industrie und anderen Organisationen. Und aktuell auch als Professor für angewandte Unternehmensführung im Gesundheitswesen an der Karl-Franzens-Universität Graz. 2013 war er auch Mitglied der Kommission für Telemedizin im Gesundheitsministerium, die sich mit dem innovativen Einsatz von neuen Gesundheitstechnologien beschäftigte.


Die bestmögliche Verbindung zwischen Management, Organisation und neuen Technologien ist seit jeher das Fokusthema von Werner Leodolter. Das macht er auch mit seinem im Springer-Verlag erschienenen Buch „Digital Transformation Shaping the Subconscious Minds of Organizations – Innovative Organizations and Hybrid Intelligencies" sehr deutlich.

In englischer Sprache angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen aktualisierten Auflage seines Titels „Das Unterbewusstsein von Organisationen / Neue Technologien – Organisationen neu denken" beschäftigt er sich mit den technologischen Aspekten, die unsere Welt heute prägen: mit Big Data, Social Media, VR und AR, Algorithmen und KI. Und das aus unterschiedlichsten Perspektiven: aus jener des Individuums genauso wie aus der ökonomischen, gesellschaftlichen und philosophischen Expertise. Im Mittelpunkt steht dabei die digitale Transformation von Organisationen.


Mit seinem Buch bietet Werner Leodolter einen Handlungsrahmen zum technologieinduzierten Wandel in Wahrnehmung, Kognition und Entscheidungsfindung in Organisationen an. Die Leitlinien für die Gestaltung des Unterbewusstseins von Organisationen macht er in Form von einfachen "Geschichten" anschaulich, die er mit seinen vielfältigen Erfahrungen anreichert. Seine Conclusio:


„Wir können das Unterbewusstsein der Organisationen gestalten und wir werden hybride Intelligenzen schaffen müssen, damit der Mensch im Fahrersitz bleibt.“

Herr Leodolter, was war für Sie der Anlass, dieses Buch zu schreiben?

Ausgangspunkt war eine Idee aus dem Jahr 1997 als ich den Begriff des „Unterbewusstseins von Organisationen“ erstmals in einer Publikation erwähnt hatte. Die durch die zunehmende Digitalisierung und Themen wie Big Data und künstlicher Intelligenz entstandenen Möglichkeiten gigantischer Leistungsfähigkeit der Technologie, sowie die Lektüre einiger interessanter Bücher zu Kognitionsforschung  und Technologie haben mich dann veranlasst das Thema genauer anzugehen und die Art der Entscheidungsfindung beim Menschen metaphorisch auf Organisationen anzuwenden. Und auch die Fallen und Täuschungen, die sich dabei auftun, zu betrachten. Meine Erfahrung als CEO eines Unternehmens mit 17.000 Mitarbeitern und die vielen Jahre als CIO waren dafür natürlich ebenfalls eine wertvolle Quelle und Anregung.

Wie nähert man sich als Autor einem solch umfassenden und zugleich so individuellen Thema wie der digitalen Transformation an? Was wollen Sie den Lesern mit Ihrem Buch mitgeben, was sich vielleicht so noch nicht in anderen Büchern zu diesem Thema finden lässt?

Ich wollte zu einem gesamthaften Zugang im Umgang mit den neuen technologischen Möglichkeiten anregen anhand einer leicht nachvollziehbaren Metapher – nämlich dem eigenen menschlichen Umgang mit Entscheidungsfindung. Schließlich ist die künstliche Intelligenz unaufhaltsam am Weg in die Organisationen und nistet sich an vielen Stellen in den Organisationen ein.


Das Ziel war, brauchbare Leitgedanken zum Umgang mit künstlicher Intelligenz, Robotik etc. zu geben – zur bewussten Gestaltung des Unterbewusstseins einer Organisation eben – und diese mit einfachen Beispielen und Szenarien nachvollziehbar zu machen. Ich war selbst überrascht, dass das sehr gut von der Hand ging.


Was dürfen sich die Verantwortlichen im Management davon erwarten und was nicht? Viele suchen ja Templates, Practices und einen Leitfaden für ihre digitale Transformation.


Die mit Beispielen und Szenarien unterlegten Leitgedanken eines Praktikers auf CIO- und CEO-Ebene sollten eine Anregung und Unterstützung bieten, die eigene Organisation aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Der Standpunkt für diese neue Sichtweise ist immer leicht zu finden: Wie entscheide ich als Mensch und Manager? Was passiert bewusst, was unterbewusst? Was prägt mein Unterbewusstsein? Ich habe mich viel mit Entscheidungspsychologie einerseits und lernenden Organisationen andererseits auseinandergesetzt. Auch diese Grundlagen sind zusammengefasst die Basis dieses „Frameworks" des Unterbewusstseins von Organisationen und der hybriden Intelligenzen – wenn intelligente Menschen mit intelligenten Maschinen sehr eng und zweckgerichtet intelligent zusammenarbeiten. Gestalten wir dieses Unterbewusstsein unserer jeweiligen Organisation!


„People do not serve structures, but structures serve people". Künstliche Intelligenz kann – richtig angewandt – menschliche Intelligenz wertvoller denn ja machen.

Vielleicht ist gerade diese  Projektion der verhaltenspsychologischen Aspekte menschlichen Denkens und Handelns ein Schlüssel dafür, dass es uns gelingt, die von Menschen erschaffenen künstlichen Intelligenzen in unser Leben, in unsere Gesellschaft und in unsere Organisationen so einzubauen, dass wir als Menschen mit unseren einzigartigen und nicht nachbildbaren Fähigkeiten wie Empathie, Intuition, Vorstellungskraft, Kreativität, Verantwortung, Hausverstand, Träumen und Liebe weiter im "Fahrersitz" die Richtung bestimmen. 



Von Carmen Windhaber; Fotos: Lisa Resatz