CDO. Der Plan "B" für die Unternehmens-Digitalisierung



Walter Steinhauser leitet seit 20 Jahren IT-Bereiche im Autovista-Konzern … und ist überzeugt: Solange die Digitalisierung an einzelnen Rollen hängt, ist sie noch nicht angekommen.



Aktuell erleben wir einen durch die Krisensituation vielfach verstärkten digitalen Hype. Der darf allerdings nicht über bestimmte Tatsachen hinwegtäuschen. Zuletzt wurde der Trend zur Digitalisierung der Unternehmen nämlich mit den CDOs um eine Facette reicher. Der Abgesang auf die CIOs ist ein Indiz, dass der digitale Begriff im Unternehmen noch nicht vollständig angekommen ist. Es ist nicht nur der CIO oder die CDO, die die Digitalisierung verantwortet, sondern es ist der Vorstand gemeinsam, getragen und verstanden von der gesamten Belegschaft.


Um uns der Sache zu nähern, müssen wir uns vor Augen führen, was die Digitalisierung überhaupt bedeutet. Es ist des Öfteren verbunden mit fortschrittlichster Technologie, der totalen Vernetzung, teilweise spricht man über Roboter, künstliche Intelligenz und über das Rechenzentrum in der Cloud. Dann wird viel von Security-Bedrohungen gesprochen, dass mit der Digitalisierung einherkommt und das es am Markt disruptive Bedrohungen gibt. Immer die Start-Ups, die die Giganten aus der Komfortzone hervorlocken. All das wird mehr oder weniger aufgrund unserer Erfahrungen aus dem Zeitalter, aus dem wir kommen, mit Informations-Technologie in Verbindung gebracht.


Nun ist es höchste Kür der IT-Abteilung, Technologie & das Rund-Um-Service wie Strom aus der Steckdose zu liefern. Darauf sind wir Technologie-JüngerInnen konditioniert und wenn es gut funktioniert gibt es auch das Lob dafür. Diese Rückkoppelung hat das Berufsleben vieler IT-ManagerInnen und IT-ExpertInnen geprägt.


Nun ist plötzlich der Anspruch an die IT-Abteilungen, doch auch bitte das ganze Digitalisierungs-Zeugs mitzumachen.

Und da stoßen wir an unsere Grenzen. Nicht deshalb, da wir die Technologie nicht beherrschen, nicht deshalb da es uns an Verständnis oder Motivation fehlt, es liegt daran, dass Digitalisierung jede Geschäftseinheit des Unternehmens betrifft und die IT das nicht allein machen kann. Und wenn die IT die Anforderungen nicht bewältigt und nicht überzeugen kann, dass es nur gemeinsam voran geht, kommt schnell der schale Beigeschmack auf, dass man wohl den falschen CIO, die falsche CIO im Unternehmen hat. Und das wohl jemand anderer die Zügel in die Hand nehmen sollte. Wobei wir dann beim CDO angelangt wären und Plan B aktiviert wird.


Der CDO, die CDO kann aber nichts anderes machen, als möglicherweise besser überzeugen, dass Digitalisierung das ganze Unternehmen betrifft, und es nicht nur ein technologielastiges Thema ist. Also das eigentlich auch der CIO, die CIO tun könnte, würde er/sie das digitale Mind-Set verinnerlichen und aus seinem/ihrem Technologie-Fahrwasser herauskommen.


Einer der größten Change-Management Aufgaben der Wirtschaftsgeschichte


Wenn wir schon beim Mind-Set sind, dann es ist auch sinnvoll über verschiedenen Ebenen der Digitalisierung nachzudenken. Mit der Nutzung von digitalen Artefakten, aber auch das Umwandeln der eigenen Wertschöpfung (des Produktportfolios), in digitale Artefakte geht eine tiefgreifende Veränderung der Prozesse und des „Way of doing“ einher. Wir stehen hier von einem der größten Change-Management Aufgaben der Wirtschaftsgeschichte. Wie bringt man MitarbeiterInnen dazu, neue Fähigkeiten zu lernen und neue Arbeitsmodi anzuwenden und wie bringt man Führungskräfte dazu in weniger hierarchischen Strukturen und weniger in der klassischen Büro-Arbeitswelt auch einen ausgezeichneten Job zu machen? Ohne epochalen Kulturwandel wird das wohl eine schier unlösbare Aufgabe.


Der CIO, die CIO sollte das einmal ganz bewusst durchdenken und es besteht eine einmalige Chance als Speerspitze vorauszugehen. Sitzen wir noch in eigenen Büros? Warum nicht in einem freien Raum, irgendwo im Bürogebäude ein flexible Working Umgebung einrichten. Zehn Share-Desk Schreibtische aufstellen und KollegInnen der Belegschaft dazu animieren, einen Tag dort flexible zu arbeiten? Der CIO, die CIO mittendrin. Wäre ein gute Idee einmal das Gefühl zu bekommen außerhalb der gewohnten Büro-Umgebung unter neuen Voraussetzungen zu arbeiten.

Oder einmal ganz bewusst auf ein physisches Meeting verzichten und dafür eine Videokonferenz abhalten? Auch wenn es einfach und offensichtlich wäre, sich persönlich zusammenzusetzen? Sicher wird das zu Beginn als Schnapsidee und ineffizienter „Modus Operandi“ abgetan werden.

Es ist ein weiter Weg zwischen heute noch absurden Ideen zu einer kulturellen Umgebung von deutlicher höherer Produktivität, klarem Wettbewerbsvorteil und motivierteren MitarbeiterInnen.

Das „C_O“ ist ganz klar eine Leadership-Aufgabe im Jobtitel. Eine Vision haben, voran zu gehen, zu seinen Werten stehen, andere inspirieren, jene unterstützen die länger brauchen, jene fördern die sich schneller adaptieren, aber keine Idee als undenkbar bewerten. Zurück bezugnehmend zur Einleitung ist nicht dieser kulturelle Wandel eine Aufgabe für alle CxO Funktionen? Da Digitalisierung aber objektiverweise auch stark technologielastig ist, könnte der CIO, die CIO vor den Vorhang und die andere CxO Kollegenschaft digital beseelen und mit auf die Reise nehmen.


All das betrachtet, ergibt sich daraus nicht der Rückschluss das der CDO, die CDO in Wirklichkeit alle CxO Funktionen in Sachen Digitalisierung substituiert, oder vorsichtig ausdrückt unterstützt? Geht es nur um den CIO, die CIO? Vielleicht hilft auch dieser Denkansatz Bewegung in die CDO/CIO Überlegungen zu bringen.

Aber vielleicht braucht es ein Wachrütteln und Konkurrenz hat noch nie geschadet. Wie auch immer der Ausgang des CIO:CDO Matches sein wird, ich wünsche beiden viel Erfolg!

Über den Autor:

Walter Steinhauser, MBA ist IT-Führungskraft aus Leidenschaft. Er leitete gestaffelt über 20 Jahre lang die IT-Abteilungen der drei Autovista-Niederlassungen in Österreich, Schweiz und Deutschland. Heute verantwortet er die europaweite Applikations- und Datenentwicklung der zentralen Autovista Konzern-IT.

Er interpretiert die CIO-Rolle als Wegbereiter des kulturellen Wandels um die Digitale Transformation als eine ganzheitliche unternehmerische Reise durch das gesamte Eco-System und alle Bereiche der unternehmerischen Lieferketten zu ermöglichen. Und die IT trägt aus seiner Sicht die Technologie dazu bei, geht als Speerspitze voran und bildet die Grundlage auf dem neue Geschäftsmodelle gebaut werden. Deshalb sieht Steinhauser Technologie, Digitalisierung, Führung und IT-Management, gepaart mit einer Portion Zukunftsvision, als Bausteine für Erfolg.

Fotos: Milagros Martinez-Flener

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