Balance zwischen starken Wurzeln und leichten Zweigen



Ronald Subkus zeichnet seit heuer für den CIO Kongress von LSZ hauptverantwortlich … und wählte den Baum als Leitbild. Dafür, was in der digitalen Ära den Erfolg ausmachen wird.



Balance ist gefragt. Heute mehr denn je. Ein Event wie der CIO Kongress, zu dem LSZ Consulting auch heuer nach Loipersdorf einlud, macht das besonders augenscheinlich. Balance zwischen Abstand-Halten und Vernetzen, zwischen Analog und Digital, zwischen Möglichkeiten und Risiken. All das steht für die großen Herausforderungen, die IT- und Digitalisierungsverantwortliche in Unternehmen heute und künftig zu meistern haben. Und zwar weit über die aktuelle Pandemie-Situation hinaus. Egal, wohin man blickt – die richtige Balance wird zum entscheidenden Erfolgskriterium: zwischen Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit, zwischen innovativen Technologien und dem menschlichen Faktor, zwischen Stabilität und Agilität.


Ronald Subkus hat ein Bild parat, das zum Vorbild werden könnte, wenn man beim Management dieses Balanceakts nicht das Gleichgewicht verlieren will – das eines Baumes: „Ein Baum ist stark verwurzelt, gleichzeitig sind seine Zweige leicht und beweglich. Ich glaube dieses Zusammenspiel ist heute auch das Rezept, das über all den großen Herausforderungen steht, mit denen wir es zu tun haben.“

Auf- und eingefallen ist ihm das eher spontan, als er sich mitten im Re-Design-Konzept für den heurigen CIO Kongress befand … für den er erstmals hauptverantwortlich zeichnete und dabei das Staffelholz von Alexander Loisel, der den Event in 18 Jahren zum absoluten Klassiker machte, übernahm. Also machte Subkus den Baum zum Leitbild für die heurige Veranstaltung. Und er will ihn starke Wurzeln schlagen lassen.



Herr Subkus, die Balance zwischen Stabilität und Agilität wird wohl auch in den nächsten Jahren die große Herausforderung für Unternehmen und Organisationen bleiben, wenn es um Digitalisierungs- und IT-Strategien geht. Wird deshalb der Baum auch als Leitbild für den CIO Kongress weiterwachsen?


Das Motto „Strenghten your roots“ ist so passend, dass wir es dauerhaft für den CIO Kongress verwenden werden. Ein Baum ist ein starkes, archetypisches natürliches Symbol, welches sehr gut sowohl zum Zeitgeist als auch zum CIO Kongress passt. Ein Baum braucht starke Wurzeln um eine schöne und dichte Krone zu entwickeln, er braucht auch starke Wurzeln um Früchte zu tragen oder um nicht gar umzufallen. Diese Wurzeln und die Wahrheit dahinter lassen sich perfekt mit der Stärke eines Events wie des CIO Kongress verbinden. Der Baum hat verschiedene Wurzeln, die im Wald alle miteinander verbunden sind und die miteinander kommunizieren. Einerseits symbolisieren die Wurzeln das Netzwerk, die Community beziehungsweise das Ökosystem, andererseits aber auch das fachliche Wissen aus dem eigenen Kernbereich, der IT, oder anderen Wissensbereichen. Das Bild des Baumes verbindet das Bewahren eines starken Fundaments mit der Beweglichkeit und Offenheit für Anderes, Neues, zum Beispiel in Form von Ideen und Innovationen, die in den nächsten Jahren Einzug halten werden. Eine Verbindung, die natürlich auch für den CIO Kongress als traditionsreichste C-Level-Veranstaltung der heimischen IT-Szene perfekt passt.


Vor diesem Hintergrund: War beim diesjährigen CIO Kongress und bei den Vorbereitungen dafür ein Trend – über die ganz konkreten Themen hinaus – zu beobachten, in welcher Weise sich die Management-Rollen rund um die Technologie und Digitalisierung angesichts neuer Herausforderungen und des Bedarfs an neuen Strategien gerade transformieren und weiterentwickeln?


Wir beobachten zwei Entwicklungen, die durch die Corona-Situation noch merklich verstärkt werden. Einerseits, dass die CIOs sich noch mehr als vorher als Business Enabler etablieren,

dass sie dabei zunehmend gefragte Gesprächspartner für den Vorstand sind, und dass auch zunehmend etablierte Geschäftsmodelle hinterfragt werden.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch aktuell auch nicht wenige Unternehmen, die durch die Pandemie in alte, wenig innovative Verhaltensmuster zurückfallen. Hier werden Kosten eingespart, Verteidigungs- und Absicherungsstrategien gefahren und die Befugnisse der CIOs teilweise sogar beschnitten. Welche Herangehensweise im Rahmen einer unaufhaltsamen digitalen Transformationswelle die vermutlich bessere wäre, kann letztlich nur jedes Unternehmen für sich beurteilen. Aber wer Innovationen und Strategien für die Zukunft als zentrale Themen und Aufgaben sieht, wird über Variante zwei eher den Kopf schütteln.


Was waren in diesem Jahr die inhaltlichen Programmschwerpunkte und konkreten Themen, die unter den Kongress-Teilnehmern auf besonders hohes Interesse gestoßen sind?


Zum einen waren von den Teilnehmern deutlich Business-orientierte Themen, wie die Umsetzung digitaler Strategien, Erfahrungen im Bereich digitaler Plattformen und Microservices, das Thema Cloud Compliance oder auch Innovation im Bereich Customer Experience, besonders gefragt. Gleichzeitig sind aber auch die sogenannten Soft-Themen im Bereich Leadership & Culture auf extrem großes Interesse gestoßen, beispielsweise die Deep Dive Sessions zum Thema Employee Experience, Generationen-Management oder Leadership by Design-Thinking.


Ein Fixpunkt auf dem CIO Kongress ist nicht erst seit heuer ein Element, den man auch unter dem Aspekt „Balance", und zwar jener zwischen zwei unterschiedlichen Welten, sehen könnte, nämlich das Zusammenführen der CXOs mit den „jungen Wilden". Mit interessanten und innovativen Startups und mit spannenden Projekten und den ebenso spannenden Entwicklern dahinter, die noch einen Schritt früher einsetzen, und die aus den Schulen kommen. Was ist hier die Idee dahinter und was ist bei diesem Zusammenführen das Spannende?


Die Idee ist genau dieses angesprochene Zusammenführen verschiedener Welten, Generationen, Denkweisen und Dynamiken, was ja einer der ganz großen Mehrwerte eines Events wie des CIO Kongress ist, der auf dem Informations- & Erfahrungsaustausch aller Teilnehmer basiert.

Diese Idee hat Axel Loisel schon vor einigen Jahren mit der „Start-up Session“ umzusetzen begonnen. Heute ist das ein fixer Programmpunkt beim Kongress, bei dem junge Innovatoren sich und ihre Innovationen präsentieren, die bei den Teilnehmern zu frischen Ideen führen. Ergänzt wird dies, mittlerweile auch schon seit mehreren Jahren, durch die „CIOs der Zukunft“. Da laden wir jährlich die sieben herausragendsten IT-Schüler der HTL-Spengergasse ein, eine der wichtigsten IT-Ausbildungsstätten des Landes.

Dieser Austausch der CIOs der Gegenwart mit denen der Zukunft beim CIO Kongress, ist ein immens wichtiger Faktor der in den Gesprächen zu ganz neuen Einblicken führt. Und dieses Zusammenführen der Welten und Generationen haben wir übrigens zugleich auch in die andere Richtung fortgesetzt: mit dem „IT-Karriere Forum“, einem eigenen Eventformat, das ich entwickelt habe, bei dem sich IT-Abteilungen den jungen IT-Talenten präsentieren.


Haben sich die Art und Weise, wie Vernetzung genutzt und gelebt wird, und die Anforderungen und Erwartungen in den letzten Jahren verändert, angesichts der Flut an neuen Themen und zugleich auch durch den immer wichtiger werdenden digitalen Faktor? Passt die heurige Covid-bedingte Ausnahmesituation vielleicht sogar in diese Entwicklung und ist gar nicht so atypisch für eine hybride Vernetzung, wie sie künftig noch stärker ablaufen könnte und vermutlich auch wird?


Corona hat sicher zur Erweiterung von Vernetzungs- und Kommunikations-möglichkeiten geführt, hybride Formen gewinnen an Aufwind. Die Flexibilität, die derzeit durch digitale Möglichkeiten geschaffen wird, ist bis zu einem gewissen Punkt sehr zielführend und angenehm. Ich persönliche schätze das sehr, merke aber bei mir selbst und auch als Feedback aus vielen Gesprächen, dass Digital Communication das physische Treffen nur bedingt ersetzen kann. Wenn sich während eines Lockdowns alle nur noch digital austauschen, kommt es zu einer starken Übersättigung an Online-Meetings und Webinaren. Zudem sind sowohl die Aufmerksamkeitsspanne als auch die Interaktionsmöglichkeit im digitalen Bereich deutlich kleiner. Beim diesjährigen CIO Kongress, der glücklicherweise vor Ort stattfinden konnte, war den Teilnehmern eine große Freude über das physische Zusammentreffen anzumerken. Ein großes „Endlich mal wieder persönlich getroffen“ stand im Raum und wurde auch von vielen genauso ausgesprochen. Auch für das Gros unserer Partnerunternehmen ist das Sponsoring von Online-Events problematisch, viele haben hier eher mittelmäßige Erfahrungen gemacht und konnten kaum echte Ergebnisse verzeichnen. Seit Beginn der Diskussion und Betrachtung des Themas „Digitale Transformation“ machen sich Experten verschiedenster Disziplinen Gedanken über das, was in Zukunft wichtig wird beziehungsweise wichtig bleiben wird.

Gerade der soziale, zwischenmenschliche Faktor ist einer der großen Aspekte, die im digitalen Zeitalter den Unterschied machen.

Die Möglichkeiten der Vernetzung sind durch digitale Tools bereichert worden, das wird zu Recht auch bleiben und unser Leben vereinfachen. Der persönliche Austausch, zum Beispiel bei Events wie dem CIO Kongress, bleibt dabei aber sicher die Nummer 1.


Von Marion Degener; Fotos: Lisa Resatz